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Unsere Top 3 Reportagen aus Büsum

REPORTAGE - SCHIFFSAUSFLÜGE

Veröffentlicht am 21.09.2021 von Maike Otto - E-Mail: presse@buesum.de - 13.609 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön

Nordsee, Wind und Wellen spüren – Schiff Ahoi

Ein Kutter fährt am Horizont der Nordsee vorbei, während die Sonne unter geht.
Gäste steigen auf das Schiff
Kutter liegen im Büsumer Hafen.

„Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön, denn da kann man fremde Länder und noch manches andre sehn. Hol-la-hi, hol-la-ho,hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-hia, hol-la-ho.“ Frei nach diesem Liedtext eines bekannten Volksliedes werden auch im Nordsee-Heilbad Schifffahrten je nach Gusto angeboten:

HELGOLAND & HOCHSEE

Was war das für ein schöner Tag dort draußen auf hoher See, auf Helgoland, auf Deutschlands einziger Hochseeinsel. Bei den Kegelrobben, beim Spaziergang über die himmelhohen Klippen, so weit weg vom Rest der Welt. Nun verschwindet auch die Lange Anna, der markante rote Felsenturm, langsam hinter dem Horizont, die Schönheit der Insel ist zur Erinnerung geworden. Kapitän Jan Cirulisgibt volle Fahrt und die Funny Girl gleitet mit rund zwanzig Knoten (also knapp 40 Km/h) über die Nordsee. Ruhige See und gute Fahrt, wettermäßig ist nichts Aufregendes zu erwarten.

Nach dem Ablegen und dem Kurs setzen herrscht auf der Brücke eine konzentrierte Ruhe, auf dem ständig laufenden UKW-Kanal brabbeln Gesprächsfetzen, der Kompass pendelt sich auf Ost ein, je nach Wind- und Strömungsverhältnissen wird die Fahrt im Liniendienst zwei Stunden und fünfzehn Minuten dauern. Nachdem Helgoland hinter dem Horizont verschwunden ist, sieht man nur noch Meer; gleichmütig und eine lang gezogene Dünung wie ewiges Atmen. Auf See mit einem schönen Schiff; einem eleganten, fast anmutigendem – Seebäderschiff und Helgoland gehören zusammen, es ist eine Jahrzehnte alte Tradition. Die Schiffe ankern auf der Helgoländer Reede und die Gäste steigen in die Helgoländer Börteboote über, diese bringen die Gäste dann zur Insel. (In Zeiten von Corona wird im Hafen angelegt).

Während es sich die Passagiere auf den Liegestühlen auf dem Sonnendeck bequem machen und eine Seereise genießen, haben Kapitän und Steuermann die Instrumente im Blick, die Anzeigen glimmen auf den Bildschirmen und der Radarstrahl huscht in geisterhaftem Grün auf seinen ewigen Runden über den Monitor, die elektronische Seekarte verdeutlicht die Strecke. Die Passagiere genießen die Reise vielleicht mit einem frischen, von Hand belegten Fischbrötchen, dösen in der Sonne, haben möglicherweise bereits mit dem Fernglas das Hochhaus von Büsum erspäht, das ganz langsam über den Horizont wächst.

Dann beginnt das Tiefensonar aufwärts zu klettern und auf der Brücke machen Kapitän Jan Cirulis und Steuermann Wolf Dieter Zirwick die Funny Girl klar zur Anfahrt auf Büsum. Nach der Fahrt über die Hochsee ist nun das Wattenmeer erreicht, mit Ostkurs läuft die Funny Girl in die Süderpiep ein, dem Fahrwasser zum Büsumer Hafen. Hier müssen die Schiffe lang, nur hier ist es sicher und immer tief genug. Für die Süderpiep drosselt der Kapitän die Fahrt nun auf rund 13 Knoten, manch Passagier wird das merken, auch, dass diese Seereise - in einer guten halben Stunde schon - zu Ende geht. Über Funk meldet die Brückenbesatzung das Schiff im Leitstand des Sperrwerkes im Büsumer Hafen an, der ist alle Tage im Jahr und rund um die Uhr besetzt, die Kollegen haben alles im Blick und weisen den sicheren Weg.

Von Deck aus lassen sich mit etwas Glück vielleicht Seehunde auf den Sandbänken beobachten, auch ihretwegen geht es langsam durch das Wattenmeer. Immer deutlicher ist das Panorama von Büsum nun zu erkennen, mit Viertel Fahrt (in der Nock der Funny Girl gibt es noch einen klassischen Maschinentelegrafen) setzt der Kapitän den Kurs von Ost auf Nord für die Einfahrt in den Hafen von Büsum. Die Ampel steht auf Grün und ganz langsam gleitet die Funny Girl in ihren Heimathafen. So langsam, als wollten diese letzten Augenblicke genossen und ausgekostet werden. Diese Seereise geht zwar zu Ende, aber andere Schiffsausflüge, die beginnen hier:         

KÜSTENFAHRT

Leinen los zur kleinen Kennenlernen-Kreuzfahrt. Die Ol Büsum legt ab und schiebt sich langsam durch den Büsumer Hafen, vorbei an der Kutterflotte, den Leuchtturm im Blick, Kapitän Jörg Peterssteuert zum Sperrwerk – Hafenatmosphäre jetzt und Seeluft schnuppern gleich. Nachdem die Ol Büsum den Hafen verlassen und das Sperrwerk passiert hat, heißt es eine Stunde lang Büsum vom Wasser aus erleben, das Panorama des Seebades aus anderer Perspektive sehen. Eine gemütliche Schifffahrt bei Kaffee und Kuchen, eine schöne Tour zum Kennenlernen. Von See aus genießt man einen Blick auf das offene Meer, sieht die Krabbenkutter vorbeiziehen auf ihrem Weg in die Fanggründe oder zurück in den Heimathafen, erblickt die großen Frachter auf der Elbmündung. Und ganz gewiss ist diese eine Stunde viel zu schnell vorbei. Aber es gibt mehr Möglichkeiten, um das Meer zu genießen. Vielleicht gleich am Abend schon:

SUNSET & DANCE / SUNSET &  GRILL  -  ROMANTISCH IN  DEN SONNENUNTERGANG

Abendliche Schiffsausflüge mit Unterhaltung, Tanz sowie lecker Essen & Trinken sind in Büsum Tradition. Und was für eine Erinnerung: mit dem Blick auf den Horizont und glitzerndes Wasser dem Sonnenuntergang entgegen schwofen. Funkelnde Wellen und eine gehörige Portion Schifffahrtsromantik bei einem Aperitif und einem Leckerbissen in der Hand. Reederei und Veranstalter haben derlei Abendveranstaltung zur See modernisiert: Beim Törn Sunset & Dance ist ein DJ an Bord und legt auf – Klassiker, die es Wert sind, mit in diese neue Zeit genommen zu werden, coolem Chill-out-Sound und Cocktail-Vielfalt. Gutes bleibt und Zeitgemäßes kommt mit an Bord. Unverwechselbar schöne und genussvolle Momente wie der Augenblick, wenn die Sonne ins Wasser fällt; dann hält man für einen Augenblick inne und hebt das Glas, stößt an auf einen gelungenen Urlaub. Und wo kann es schöner sein als draußen auf See, solche Schiffsausflüge haben den Charme einer kleinen Kreuzfahrt mit stilechtem Welcome-Drink. Und bei der abendlichen Ausfahrt Sunset & Grill werden auf dem Holzkohlegrill Nackensteaks, Bratwurst und Hähnchen gegrillt (Vegetarier mögen ihre Wünsche vorab anmelden), dazu gibt es frische Salate aus dem Weckglas. Wenn das Schiffshorn über den Büsumer Hafen klingt, zwei, drei Stunden vor Sonnenuntergang, dann freuen sich diejenigen, die es kennen, auf einen sehr gelungen Abend am, nein: auf!, dem Meer. Und wer es noch nicht kennt, wird ganz bald wissen, wie schön und modern Klassiker sein können. Gerade die auf See.         

FANGFAHRT IN SEE

Wer kennt schon die Tote Mannshand oder den Brotkrumen-Schwamm? In der Nordsee leben krasse Kreaturen – bunt, geheimnisvoll, verborgen. In diesem Kuriositätenkabinett tummeln sich auch schwangere Männchen, Fische, die nach Gurke riechen, und der Pitbull der Nordsee. Fünf, acht, zehn Meter tief in der Nordsee ist eine Lebenswelt, die mal schillernd ist, mal monströs und ziemlich überraschend ist sie auch. Zu besichtigen ist das zum Beispiel bei einer Fangfahrt in See von Büsum aus. Kapitän Jan Petersen steuert die Hauke aus dem Hafen in die Süderpiep, Kurs West in Richtung der offenen See.

An Steuerbord des Schiffes befindet sich ein kleines Schleppnetz, das bald nach der Ausfahrt zu Wasser gelassen und über Grund gezogen wird. Dann hievt es die Besatzung an Bord. Was ist es dieses Mal? Natürlich ist nicht immer alles dabei. Manche Lebewesen sind viel zu selten wie die Seepferdchen (schwangere Männchen) oder leben verankert im Meeresboden wie die bunten Seedahlien, die an tropische Meere erinnern. Was aber regelmäßig auf dem Sortiertisch landet und in das kleine Schaubecken kommt, ist sonderbar genug. Vorweg sei gesagt, dass alles nach Besichtigung wieder lebendig in die Nordsee entlassen wird.

Der Fang ist erstaunlich, und es riecht frisch nach der See, als die Besatzung das Netz öffnet und sich der Hol auf den Tisch ergießt. Es wuselt und zappelt, klackernde Zangen, was kann, will fliehen, bald schwimmt die Vielfalt sortiert in Eimern und im Becken. Und es sind nicht nur Fische. Was auffällt, ist ein gelbbraunes Stück, wie ein Schwamm sieht es aus – und tatsächlich ist es genau das. Schwämme, berichtet der Biologe Lorenz Greve, Mitarbeiter der Reederei Adler & Eils, gebe es nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in der Nordsee. Wer mag, darf mal anfassen und drücken. Ein Schwamm, keine Frage.

Nah dran und kennenlernen, die Faszination erleben; auch dafür stehen diese Fangfahrten, eigentlich auch ein bisschen Bildungsurlaub vor Büsums Küste. Wer diese Lebewesen mal gesehen und gespürt hat, der vergisst sie nicht. Der Decksmann zeigt einen Fisch mit großem Kopf und noch größer wirkendem Gebiss. Wäre der nicht so klein, rund fünfzehn Zentimeter nur, man fürchtete sich vielleicht. Das ist ein Seeskorpion; so heißt er, weil er auf der Rückenflosse Stacheln hat, und Pitbull der Nordsee wird er genannt, weil so bissig, bullig und bärbeißig aussieht.

Sonderbar ist auch dies hier: Ein Fisch so lang, so dünn und mit einer Schnauze in Form einer Pipette, das sind Seenadeln. Verwandt, das ähnliche Aussehen des Kopfes ist auffällig, sind sie mit den Seepferdchen. Übrigens gehen Letzte auch sehr, sehr selten – aber auch in der Nordsee zunehmend häufiger – ins Netz. Das heißt: auf der Fangfahrt mit der Reederei Adler & Eils vor der Küste Dithmarschens einmalin zwei Jahren. Sie „in echt“ zu sehen ist wie ein Sechser im Lotto, aber möglich ist eben doch.

Manchmal ist auch etwas Monströses dabei: Schwarze Augen blicken intensiv und Scheren schnappen. Das ist übrigens auch ein Grund, warum der Fang in verschiedenen Becken bzw. Eimern untergebracht wird – in der Natur heißt es Fressen oder gefressen werden. Dieses sieht aus wie ein Ungeheuer aus der Urzeit: Mit den Zacken auf dem Panzer und mit Algen überwachsen - es ist eine Seespinne. Und welcher Fisch riecht denn jetzt nach Gurke? Fahren Sie mal mit und fragen sie den Decksmann - vielleicht ist er dabei, der Stint. Oder eine Tote Mannshand, das weiß man vorher nie so genau.         

FAHRT ZU DEN SEEHUNDSBÄNKEN

Wer meint, hinter dem Deich sei die Welt zu Ende, der irrt. Es kommt das Watt, es folgt ein Irrgarten aus Sandbänken, Hochsänden und Gezeitenrinnen – bis zu zwanzig Kilometer vor der Küste ist es eine Zwischenwelt; nicht mehr Land, noch nicht Meer. Hochwasser flutet die Flächen, Niedrigwasser legt Quadratkilometer große Gebiete trocken. Es ist das Reich von Ebbe und Flut, alles unterliegt allein dem Regime von Wind und Wellen, ist in ewiger Veränderung – und es ist die Heimat der Seehunde.

Draußen in der Nordsee, zwölf Kilometer westlich vor der Küste Büsums, liegen die großen Seehundskolonien. Der Ebbstrom zieht die Ol Büsum hinaus, mit der Ebbe fällt immer mehr Meeresboden frei, Watt glänzt unter der Sonne wie Silber. Es geht hinaus über die Süderpiep, dem Fahrwasser von und nach Büsum, allmählich definieren sich die Ufer des Watts vor dem Seebad, bald münden die großen Priele, die Gezeitenrinnen wie Ossengot oder Bielshövener Loch ein. Eine Welt in Auflösung. Zu sehen sind die Baken von Blauortsand und Tertiussand; rund fünfzehn Meter hohen Rettungstürmen auf den hohen Sandbänken, Zufluchtsort für Verloren gegangene und Orientierungspunkt für diejenigen, die hier unterwegs sind.

Seit geraumer Zeit sind unter dem westlichen Horizont die großen Sandbänke zu erkennen; gelb und somit ein hübscher Kontrast zum blauen Himmel, gewölbt wie ein Uhrglas und lang gestreckt, auch bei Hochwasser gehen sie kaum unter. Unmöglich ist es, zu Fuß herzukommen. Kapitän Jörg Peters nimmt Fahrt raus, das Fahrwasser ist tief genug, als er vor der Sandbank mit der Bezeichnung D-Steert beidreht und langsam in eine Lagune einläuft. Das Wasser ist ruhig und zu hören sind das leise Wummern der Maschine, der ewige Wind und die Rufe der Möwen. Ganz weit weg vom Rest der Welt und allein dieses Gefühl, dieses Hier-Unterwegs-Sein ist diesen Törn allemal wert.

Aber wir wollen ja diejenigen besichtigen, deren Reich dies hier ist. Die Sandbank erhebt sich inzwischen mit deutlicher Höhe über den Wasserspiegel. Das Schiff hält Abstand zur „Küste“ vom D-Steert, die Fahrt ist fast ganz gedrosselt. Da! Da ist einer. Und da noch einer. Runder Kopf, Kulleraugen, Schnauzbart und ziemlich neugierig. Aus den sanften Wellen schaut eine vorwitzige Schnauze und ist wieder verschwunden, taucht wieder auf, elegant sind sie. Die Seehunde scheinen im Wasser zu spielen, an das Schiff scheinen sie sich gewöhnt zu haben. Wichtig ist es, die Tiere nicht zu stören, Abstand zu halten, dann stehe einem solchen Ausflug nichts entgegen. Denn der Schutz dieses Naturerbes habe höchste Priorität.

Auf dem inzwischen trockenen Sand sind Dutzende nass-glänzender Leiber zu erkennen, schaut man genauer hin und beginnt zu zählen: Dann sind es zig Tiere, die da dösen. In diesen großen Kolonien liegen manchmal bis zu zweihundert Tiere. Es ist ihr Ruheraum: Die Seehunde erholen sich dort, tanken Sonne. Sie säugen dort auch ihre Jungen. Die werden bis Mitte Juli auf der Sandbank geboren. Auch deshalb ist das hier ein Ruheraum für die Tiere: Zwar können die Jungen sofort schwimmen, brauchen aber solche ungestörten Orte, um sich auszuruhen. Die Mütter lassen ihre Jungen dort allein, wenn sie auf Fischfang schwimmen. Auch deshalb – Abstand, Ruhe und nicht stören.

Seehunde – ausgewachsene Männchen bringen es auf zwei Meter Länge und hundert Kilogramm Gewicht - sind beeindruckend, sie in freier Wildbahn zu beobachten, ist faszinierend. Kegelrobben sind so dicht an der Küste sehr selten und eher auf Helgoland zu finden. Ganz langsam steuert der Kapitän die Ol Büsum vor der Sandbank auf und ab. Dann ist es an der Zeit abzudrehen, in die Süderpiep einzufahren, Kurs Büsum. Und die Seehunde da draußen, die sind jetzt wieder unter sich.

 

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