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Unsere Top 3 Reportagen aus Büsum

REPORTAGE - ORTSRUNDGANG

Veröffentlicht am 21.09.2021 von Maike Otto - E-Mail: presse@buesum.de - 11.283 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Tradition, Geschichten und Wissenswertes über den Fischerort Büsum

Spannendes entdecken beim Ortsrundgang mit den Gästelotsen

Der Leuchtturm steht im Hintergrund des Hafens.
Im Büsumer Hafen liegen Kutter.
Strandkörbe stehen auf der Watttribüne mit Blick auf das Wattenmeer.

Was für ein herrlicher Morgen. Frisch und früh; das Pflaster der Hafenstraße ist noch feucht vom Tau der vergangenen Nacht, die Laternen sind verloschen. Der Sommertag ist lang schon angebrochen, Büsum aber liegt noch in schöner Stille. Man spürt das Wummern der Motoren von den Kuttern unten im Hafen mehr, als dass man es hört. Vom Ende der Straße ist der Leuchtturm zu sehen, die Rufe der Möwen wehen durch die Gasse. Gästelotse Raimund Donalies lädt zum Rundgang durch Büsum. Auf den Spuren der Geschichte und mit Geschichten.

Raimund Donalies zeigt Schwarz-Weiß-Fotos aus den Anfängen des Seebades aus der Zeit und dieser Straße, als der Urlaub am Meer immer beliebter wurde. Als Reisen Stil und Klasse bekam. Reetgedeckte Katen standen hier, wo heute historische Fassaden (original ebenso wie gelungen originalgetreu) ein gefälliges Bild schaffen, ein Sandweg war das damals runter zum Hafen. Schon vor hundert Jahren ein Ort der Gastlichkeit und Einkehr. Und: Hört man genau hin, hört man auch das leise Klappern der Taue an den Masten der Schiffe. Ein schönes Gefühl von Aufgehobensein.

Gästelotse Donalies erzählt von einer alten Galionsfigur:

 

Diese wurde um 1911/12 von einem Büsumer Fischer vor Amrum gefunden, heute lässt sie sich im Restaurant Kolles Alter Muschelsaal bewundern. Geschichte und Geschichten. Es geht vorbei an den cremefarbenen Fassaden von Häusern aus dem vorvergangenen Jahrhundert; Rosenstöcke blühen vor dem alten Rathaus. Man hat behutsam modernisiert in Büsum, ohne zu vergessen, woher man kommt und wo man ist. Auch das macht einen Rundgang durch und einen Urlaub in Büsum gelungen.

Vogelgezwitscher war zu hören auf dem Weg zur Kirche, unter den mächtigen Kastanien und Linden hebt es an. St. Clemens schlägt neun Uhr. Kirsch und Rose setzen Akzente, später wird Gesang hier einen Freiluft-Gottesdienst ankündigen. Das Licht der Morgensonne spielt in und flirrt durch die Blätter der Bäume, uralt sind die knorrigen Eiben.

 

Raimund Donalies zeigt die Grabplatten, unter denen die hohen Herrschaften längst vergangener Jahrhunderte liegen, nur vergessen sind sie nicht. Die Geschichte dieser Kirche dieses Ortes reicht weit in die Vergangenheit zurück. Auch in die Zeit, als Büsum eine Insel war und die Sturmfluten wie die Allerheiligenflut von 1532 bis an die Kirchenmauern brandeten.

In die Zeit, als Freibeuter auf der Nordsee ihr Unwesen trieben. Und einer von ihnen, der Dithmarscher Cord Widderich, sich seines sicheren und ihm wohlgesonnenen Heimathafens Büsum erinnerte: Er kehrte heim von Kaperfahrten und aus seinem Seeräubernest auf Pellworm. Mitgebracht hat er auch ein von ihm zuvor in Nordfriesland entwendetes wertvolles Taufbecken aus Bronze. Es steht in der Kirche, und Raimund Donalies erzählt auch diese Geschichte.

In der Kirche ist es behütend und still, Kerzen brennen und durch die Fenster der Apsis fällt Licht in bunten Farben. Das Schiffsmodell, das an der Decke hängt, hat ebenso eine Geschichte wie die Gestühlswangen. St. Clemens ist ein kostbares Kleinod, ein paar Geheimnisse kennt Raimund Donalies.

Dass Büsum einst eine Insel war und erst im späten 16. Jahrhundert mittels eines Dammes landfest wurde, wurde auf dem Kirchhügel eindrucksvoll erklärt. Nun geht es durch den Rathauspark hinunter auf drei Meter über See, dann über die - Achtung: - Bergstraße wieder hinauf auf gute fünf Meter. Wenn man´s weiß und Raimund Donalies zeigt, wohin man blicken muss, dann sieht man´s auch. Na ja, man ahnt es immerhin.

 

Tatsächlich stand am Fuß dieser alten Warft, diesem sehr sachten Hügel, schon vor mehr als hundert Jahren eine Windkraftanlage. Denn so modern und neu Wind zu ernten und elektrische Energie zu gewinnen, ist das nicht – das Windrad von 1901 immerhin schaffte ein paar Kilowatt für den ersten Strom in Büsums Häusern und Hotels.

Ein Stück weiter erzählt Raimund Donalies die Geschichte des Fischers Hans Reiher, der zusammen mit zwei Kollegen Ende des vorvergangenen Jahrhunderts Kinder von einer Eisscholle rettete, die beim Spielen abgetrieben und aufs Meer getrieben wurden. Die gegenüberliegende Straße trägt ihm zu Ehren seinen Namen. Es geht zurück ans Meer, auf die Promenade der Deichkrone, vor dem Freizeit- und Informationszentrum Watt´n Hus, die Nordsee hat sich zurückgezogen und die Gäste flanieren nicht nur über diese Watt-Tribüne, sie gehen auch ins Watt.

Wenn die Nordsee aber zurückkommt, dann kann sie das auch ziemlich heftig tun. Ohne den Landesschutzdeich, dieses gewaltige Bollwerk, wären Ort und Land den hohen und Sturmfluten ohne Verteidigung ausgeliefert.

Vor ein paar Jahren wurde auch in Büsum der Deich zukunftsfähig und „klimafest“ gemacht. Wehrhaft gemacht, und das heißt – nicht unbedingt höher, aber breiter und mit flachem Profil seewärts. Um bei Bedarf in den kommenden Jahrzehnten noch zu erhöhen; der Deich bekam Verteidigungspotenzial und – wie so schön heißt – eine Aufwertung der touristischen Infrastruktur. Was gelungen ist; gefällig, vielfältig für alle Ansprüche etwas dabei: barrierearm, modern, einladend. Und klimafest, das war die Pflicht, zeitgemäßes Urlaubserlebnis war die Kür.

 

Zu erkennen sind auf der Nordsee Kutter und Segelboote sowie auf dem Horizont Container-Riesen zwischen Hamburg und der weiten Welt. Wieder der Blick zurück in die Geschichte und die alten Fotos, Raimund Donalies berichtet von einem Sandstrand, der vor hundert Jahren hier aufgeschüttet war, und einem Strand dort, wo heute ein Hafenbecken ist. Das war ein Büsumer Badestrand, natürlich wie damals üblich getrennt in einen solchen für Herren, in einen für Damen. Und wehe, man kam sich auch nur in Sicht. Der Gästelotse berichtet von einer Frau, die in einem Imbiss- und Erfrischungsstand arbeitete, einem am Herrenstrand. Was Befürchtungen hervorrief und zu Beschwerden führte. Schließlich musste die Dame so arbeiten, immerhin behielt sie ihre Stelle, dass sie nicht badende Herren im Blick hatte.

 

Die ebenso wie die badenden Damen derart züchtiges Zeug anhatten, dass der Gedanke an partielle Unbekleidetheit – zumindest heutzutage – gewiss nicht aufkommt. Aber vielleicht war das damals eine ziemlich gewagte Geschichte. Immerhin, man hat sich was getraut und stieg im Trikot in die See.

Dann der Blick auf den Hafen; kein Besuch in Büsum wäre vollends gelungen, ohne hier unterwegs gewesen zu sein. Die historischen Segler im Museumshafen, die stolze Kutterflotte an den Kais, die Ausflugsdampfer, der Leuchtturm – das sind die maritimen Momente, die jeder genießt, die postkarten-schönen Bilder, die jeder sieht, man spürt Aufbruch und Heimkehr gleichermaßen. Unterwegs mit Raimund Donalies gibt es mehr vom Meer: Er erklärt das Sperrwerk und was die Leute da auf dem Tower tun.

 

Er berichtet von einer seltsamen Anlage am Deich, dem Überhorizont-Radar (dazu gehören auch gleichartige Anlagen auf Sylt und Helgoland) – in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre diente es der Erprobung eines Tsunami-Warnsystems sowie der Erfassung von Daten für die Meeresforschung. Seit einigen Jahren wird die Anlage ausschließlich für die Zwecke der Meeresforschung genutzt. Und wer sich so hinstellt – Donalies erklärt, wo und wie genau - dass er die blinkenden Lichter zweier Masten mit der eigenen Sichtachse in Einklang bringt, der blickt exakt mittig durch die Einfahrt zum Hafen. Von See kommend eine klare Navigationshilfe.

Und was wäre ein Besuch im Büsumer Hafen ohne Krabben gegessen, sie probiert zu haben. Klar, man bekommt das Krabbenbrötchen (fang)-frisch und zubereitet auch am Hafen. Aber warum es nicht einmal selbst zumindest versuchen mit dem Krabbenpulen und sich selbst ein eigenes Krabbenbrötchen basteln. Also: Hin zum Kai, zu dem Kutter, den wir eben haben einfahren sehen, Raimund Donalies hat natürlich erkannt, welcher das ist und wo es was gibt. Die Krabben sind schon auf See mit Meerwasser gekocht. Vor dem Kutter ist ein kleiner Stand, wo es die Krabben zu kaufen gibt. Den Dreh, sagen die Leute, die das kennen und können, den hast Du schnell raus. Kopf und Körper der Krabbe drehen, dabei ziehen. Niemand behauptet, dass man sich beim ersten Mal zügig sattessen kann. Aber doch, es funktioniert und nie hat es so gut geschmeckt wie mit dem Blick über den Hafen, den Rufen der Möwen im Ohr (die kamen nicht betteln) das Aroma des Meeres in der Nase. Zuletzt führt der Gästelotse auf den alten Friedhof, angelegt in der Mitte des vorvergangenen Jahrhunderts. Auf dem Weg dorthin sieht man die Figur einer Meerjungfrau; was es mit Büsum und einer Nixe auf sich hat, erklärt Raimund Donalies gern. Ein vielstimmiges Vogelkonzert empfängt den Gast auf dem Friedhof, einer Oase vollkommener Ruhe. Es ist verwunschen unter den Weiden, zwischen den alten Eiben und den Lebensbäumen. Manche Grabsteine sind bereits verwittert, mit Flechten und Moos bewachsen, auf vielen aber kann man Symbole der Seefahrt erkennen – die Anker, die Taue. Verwitterte Gräber, versteckt zwischen verwilderten Rhododendren geben diesem Friedhof ein sonderbares Gepräge und schaffen eine seltsame Atmosphäre. Es ist nicht schaurig, dazu ist es zu sonnig und heiter, vielmehr ist ein unerklärlicher Reiz, der auf diesen Friedhof lockt.

Ein klagender Möwenschrei zerreißt die Stille vor einer Grabanlage. Hier liegen Marinesoldaten einer „Seeschlacht“ von 1850 vor der Eidermündung, die im Zuge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung geführt wurde. Eine zweite Anlage – mit dänisch beschriftetem Gedenkstein – bezieht sich auf das Seegefecht vor Büsum im September 1813 zwischen dänischen (der dänische König hielt während der Kontinentalsperre zu Napoleon) und englischen Schiffen vor Büsum. Mitten in Büsum gelegen entführt dieser Friedhof in die Geschichte von See und Nordseeküste. Die Geschichten dazu kennt Gästelotse Raimund Donalies. Mal schaurig, mal schön, immer spannend, manche skurril. Und eine Handvoll Krabben gibt es auch.

 

Information:

Es gibt den kleinen Ortsrundgang der Gästelotsen, dieser dauert ca. 90 Minuten und führt vom Rathaus via Kirche, Österstraße, alter Ostdeich zum Ankerplatz. Über die Hafenstraße geht es dann zurück zum Abschluss an der Westseite der Kirche. Der große Ortsrundgang startet ebenfalls am Rathaus, führt dann über die Westerwarft zum Marktplatz und zur Nordsee am Watt’n Hus. Ein Stück auf dem Deich entlang vorbei am Leuchtturm zum Museumshafen und Ankerplatz. Über den alten Ostdeich zur Wilhelm-Külper-Staße über kleine Wege zum alten Friedhof. Anschließend über Bahnhofstraße und Kirchstraße zur Kirche, wo noch etwas zu Neocorus erzählt wird. Meist schließt der Rundgang mit einer Besichtigung der kleinen Gedenkstätte im Erdgeschoss des Glockenturms ab.

 

Die Termine für die Rundgänge stehen im Veranstaltungskalender unter www.buesum.de.

Zurzeit wegen Pandemiemaßnahmen ist nur der kleine Ortsrundgang möglich.

Außerdem sind die Rundgänge für Gruppen (das können auch Familien sein) buchbar, die Gästelotsen gehen dann auf individuell gewünschte Themenschwerpunkte (z. B. Schifffahrt, Fischerei, Tourismusgeschichte oder Küstenschutz) ein. Die Gästelotsen freuen sich auch über die Teilnahme von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, gegebenenfalls werden die Route entsprechend angepasst.

Kontakt: Gaestelotsen@Buesum.de

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Verfügbare Bilderdownloads:

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